Mond fotografieren mit DSLR
Der Mond ist Dank seiner Größe und Helligkeit ein recht einfaches und interessantes Fotomotiv.
Vom Panoramabild über die Konstellation mit verschiedenen Planeten bis hin zu einer Großaufnahme
mit sichtbaren Strukturen ist beim Mond alles auch mit einer "normalen" Kamera möglich.
Und was bleibt uns Hobbyastronomen schon anderes übrig, wenn der helle Mond mal wieder alle anderen Objekte
zu überleuchten versucht.
Benötigtes Equipment:
- stabiles Stativ
- Fernauslöser
- evtl. Gegenlichtblende
Um genau zu bestimmen, wie lange mit welcher Brennweite belichtet werden kann, und wie groß der Mond dann
abgebildet wird, sollte man auch wissen, ob die verwendete Kamera eine
Vollformat-Kamera mit einem Sensor
mit der Größe 24x36mm ist (z.B. Canon EOS 5D Mark)
oder aber eine
Kamera mit einem (Crop-)Faktor kleineren Sensor von 15x22mm
(z.B. Canon EOS 1000D, 400D, 450D, 30D, 40D, ect.) ist.
Die meisten dig. Spiegelreflexkameras (DSLR) für Amateurfotografen haben kleinere Sensoren als die Vollformatsensoren.
Das Resultat dieser kleinen Sensoren ist eine scheinbare Brennweitenverlängerung bei gleicher Objektivbrennweite.
Es wird so ein kleinerer Ausschnitt erfaßt, welcher dafür aber mehr Details zeigt.
Dieser Verlängerungsfaktor wird "Crop-Faktor" genannt.
Der Crop-Faktor ist bei jeder Kamera anders und sollte in der Gebrauchsanweisung stehen.
Hier die ungefähren Angaben mit der Brennweite in mm, der Abbildungsgröße des Mondes auf dem Kamerasensor in mm
und der maximalen Belichtungszeit in Sekunden für eine Kamera im Vollformat.
Brennweite
|
/ Größe des Mondes /
|
max. Belichtungszeit
|
|
50 |
2mm |
8-10 sec
|
|
100 |
4mm |
4 sec |
|
200 |
8mm |
2 sec |
|
300 |
12mm |
1,5 sec |
|
500 |
20mm |
0,7 sec |
|
800 |
32mm |
0,25 sec |
|
1000 |
40mm |
0,2 sec |
|
1200 |
48mm |
0,4 sec |
|
1500 |
60mm |
1/5 sec |
|
2000 |
80mm |
1/8 sec |
Um die max. Belichtungszeiten für eine Kamera mit einem kleineren Sensor von 15x22mm (z.B Canon EOS 1000D) zu ermitteln,
muß man einfach die Brennweite des Objektives mit dem Faktor 1,6 multiplizieren.
Als Ergebnis erhält man so die Brennweite einer Vollformatkamera und kann dann die Belichtungszeit der Tabelle entnehmen.
Beispiel:
Mit der Kamera Canon EOS 1000D mit einem 200mm-Objektiv könnte man max. 1,5 sec. lang belichten (200mm * 1,6 = 320mm)
Bei der Abbildungsgröße verhält es sich genauso.
Die oben in der Tabelle angegebenen Werte werden auch mit dem Faktor 1,6 multipliziert.
Kameraeinstellungen:
- Bildqualität:
RAW und L (hier wird sowohl im JPG- als auch im RAW-Format aufgenommen)
- ISO-Wert:
ISO-Wert zwischen 100 und 200
- Weißabgleich:
Einstellung "Tageslicht" (das Symbol "Sonne")
- Belichtung:
manuelle Einstellung "M"
- Blende:
größte Blendenöffnung (= kleinste Blendenzahl; Beispiel f/5.0)
- Spiegelverriegelung:
einschalten
- Bildstabilisator:
Bildstabilisator ("Image Stabilizer") ausschalten
Fokussieren und Belichten:
Um den exakten Fokus zu finden kann beim Mond der Autofokus am Kameraobjektiv verwendet werden.
Sollte der Autofokus nicht funktionieren wegen Konverter oder Ähnliches, kann über die Live-Bild Funktion der Kamera scharf gestellt
werden.
Sollte diese nicht vorhanden sein, muß man sich mit mehreren Aufnahmen an den richtigen Fokus herantasten.
Noch einfacher kann man den Fokus mit einer sog. Bahtinov-Maske finden.
Sie wird vor das Kameraobjektiv gesetzt und dann wird damit an einem hellen Stern scharfgestellt.
Man kann sie leicht selbst anfertigen, mehr dazu auf der Seite Tuning.
Um die richtige Belichtungszeit zu finden macht man wieder mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungszeiten
und beurteilt diese anschließend auf dem Display.
Einfacher ist es, wenn die Kamera eine Überbelichtungswarnung besitzt.
Auch ein Histogramm ist hier von Vorteil, es kann direkt am Display angeschaut werden.
Mondaufgang fotografieren:
Ein Mondaufgang mit zusätzlicher Landschaft ist immer ein schönes Motiv.
Mit kurzen und mittleren Brennweiten kann man hier sehr schön Landschaft oder andere Objekte mit ins Bild setzen.
Am besten wird hier die Einstellung "Vollautomatik" gewählt und kurze Zeit belichtet.
Um die korrekete Belichtungszeit zu erwischen, muß man einfach ein paar Aufnahmen hintereinander machen.
Mondauf- und untergangszeiten kann man gut auf der Webseite www.calsky.de für den jeweiligen Ort nachsehen.
Auch ein gutes Planetariumsprogramm kann hierfür verwendet werden.
Erdschein fotografieren:
Besonders schön sind Aufnahmen mit dem sog. Erdschein des Mondes.
Hier wird die Mondsichel praktisch überbelichtet.
Der Erdschein (auch genannt aschgraues Mondlicht) ensteht, wenn Sonnenlicht von der Erde abstrahlt und so auf die unbeleuchtete Seite des Mondes
reflektiert wird.
Gut zu sehen ist das aschgraue Mondlicht, wenn der Mond eine schmale Sichel ist und hoch über dem Horizont steht.
Leider nur im Frühling und im Herbst zu beobachten.
Für eine Kamera mit Crop-Faktor (z.B. Canon 1000D) sind folgende Einstellungen, Brennweiten und Belichtungszeiten optimal:
Brennweite: max. 300mm
Belichtung: ca. 1 sec.
Blende: 4
ISO: 100-400
Um die korrekete Belichtungszeit zu erwischen, sollten auch hier ein paar Aufnahmen hintereinander gemacht werden.
Großaufnahme des Mondes
Den Mond kann man am besten aufnehmen, wenn er hoch über dem Horizont steht, da am Horizont Dunst ensteht und das Seeing für die Aufnahme verschlechtert.
Auch sollte die Luft klar und ruhig sein.
Für die Großaufnahme des Mondes sind geringe ISO- und Blendenwerte von Vorteil, da so das Rauschen reduziert wird
und eine bessere Auflösung und ein besserer Kontrast zustande kommt.
Folgende Tabelle ist für die Einstellungen ISO 100 und Blende 10 (Verhältnis 1:10 oder 1/10)
als Beispiel gedacht.
Für die optimale Belichtungszeit ist es wie immer am besten, mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Einstellungen zu machen,
da auch der Geschmack jedes einzelnen unterschiedlich ist.
Mondphase
|
Belichtungszeit in Sekunden
|
|
Schmale Sichel |
1/8 bis 1/4
|
|
2 bis 4 Tage vor/nach Neumond |
1/90 bis 1/60 |
|
Halbmond |
1/180 bis 1/125 |
|
2 bis 4 Tage vor/nach Vollmond |
1/350 |
|
Vollmond |
1/500 bis 1/350 |
Scharfgestellt wird vorzugsweise entlang des Terminators des Mondes, da man hier die Strukturen am besten erkennen kann.
Eine Gegenlichtblende sollte vorher auch aufgesetzt werden, um den Kontrast nochmals zu steigern.
Ab einer Brennweite von 300mm werden die Detailaufnahmen des Mondes richtig interessant.
Man kann so schon große Krater, Gebirge und Meere erkennen.
Je größer die Brennweite, umso mehr Details kann man natürlich erkennen.
Für die Kameraobjektive gibt es die sog. Telekonverter, damit läßt sich die Brennweite um bestimmte Faktoren verlängern.
Durch den Einsatz der Konverter gehen allerdings Blendenstufen verloren, man muß also länger belichten als ohne Konverter.
Großaufnahme Vollmond
Canon EOS 1000D; Objektiv: 300mm; Blende: f/5,6; Belichtung: 1/200sek; ISO: 100; Stativ
Stimmungsaufnahme mit Vordergrund
Canon EOS 1000D; Objektiv: 100mm; Blende: f/4,5; Belichtung: 2sek; ISO: 100; Stativ
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