Workshop Deep-Sky-Aufnahmen
Zu dem Begriff Deepsky zählen alle Himmelsobjekte ausserhalb unseres Sonnensystems, wie Galaxien, Nebel, Sterne und Sternhaufen.
Einige dieser Motive sind auch schon gut mit einfachen Teleskopen und Kameras abzulichten, auch als Einsteiger.
Um im Deepsky-Bereich gute Fotos zu bekommen ist in erster Linie ein dunkler Himmel wichtig.
Auch das Seeing darf nicht unterschätzt werden, klarer Himmel und gute Durchsicht ist unabdingbar.
Objekte, die sich in Horizontnähe befinden sind daher ungeeignet für die Fotografie, wegen der Dunstschichten und der Luftunruhe am Horizont.
Je näher ein Motiv sich also dem Zenit befindet, desto besser für eine Aufnahme.
Um lichtschache Objekte einzufangen, die visuell kaum sichtbar sind, bedarf es einer Nachführung.
Deep-Sky-Fotografie mit fester DSLR
Für die Deep-Sky-Fotografie mit ruhender Kamera gelten eigentlich die gleichen Bedingungen wie für die Aufnahme von Sternbildern oder Strichspuraufnahmen.
Sehr schöne Motive wären die Region um das Sternbild Orion oder auch die Milchstrassenregion um das Sternbild Schütze und Schwan.
In diesen Regionen gibt es sehr viele schöne Emissionsnebel.
- Benötigtes Equipment:
- Kamera
- Fernauslöser
- stabiles Stativ
- Kameraeinstellungen:
- Bildqualität:
RAW und L (hier wird sowohl im JPG- als auch im RAW-Format aufgenommen)
- ISO-Wert:
ISO-Wert zwischen 400 und 1600
- Weißabgleich:
Einstellung "Tageslicht" (das Symbol "Sonne")
- Rauschreduzierung:
"Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen" einschalten
"High ISO Rauschreduzierung" ausschalten
- Belichtung:
manuelle Einstellung "M"
- Blende:
größte Blendenöffnung (= kleinste Blendenzahl; Beispiel f/5.0)
- Spiegelverriegelung:
einschalten
- Bildstabilisator:
Bildstabilisator ("Image Stabilizer") ausschalten
Deepsky-Fotografie mit nachgeführter DSLR:
Mit einer Kamera kann man schon nach wenigen Sekunden Belichtung Sterne erkennbar machen, die man mit bloßem Auge nicht mehr wahrnimmt.
Um mit der Kamera nachzuführen, wird diese per Piggyback-Methode auf das Telskop geschnallt (das bedeutet auf dem Teleskop ist ein Kamerahalter angebracht oder die Kamera wird
direkt an der Gegengewichtsstange angebracht).
Die Kamera muß sehr fest mit dem Teleskop verbunden sein, um Verwacklung und Erschütterung zu vermeiden.
Mit nachgeführter Kamera können natürlich viel bessere Ergebnisse erzielt werden als ohne Nachführung.
- Benötigtes Equipment:
- Kamera
- Fernauslöser
- Teleskop mit Montierung
- Kameraeinstellungen:
- ISO:
Der ISO-Wert hängt immer von der Optik, vom Zielmotiv und von den Wünschen des Fotografen ab.
Bei lichtschwacher Optik beispielsweise wird ein höherer ISO-Wert benötigt.
Die ISO-Empfindlichkeit sollte immer so gering wie irgendwie möglich gehalten werden, um den Kontrast zu stärken und um starkes Rauschen zu vermeiden.
Allerdings hat ein geringer ISO-Wert den Nachteil, daß länger belichtet werden muß.
Mit ISO 100 muß z.B. viermal länger belichtet werden als mit ISO 400.
Man sollte sich dann am besten für den Mittelwert entscheiden.
- Belichtung:
Die Belichtungszeit hängt wieder ganz von den Objekten ab, die man ablichten möchte.
Durch die unterschiedlichen Motive, die hell leuchten oder sehr lichtschwach sind, variieren die Belichtungszeiten
von wenigen Sekunden bis hin zu mehreren Stunden.
Selbst bei ein und demselben Objekt kann die Belichtung verschieden sein, je nachdem welches Detail man hervorheben möchte.
Lange Belichtungszeiten haben leider immer ein starkes Hintergrundrauschen zur Folge.
Dieses Rauschen kann trotzdem sehr gut reduziert werden: es werden einfach mehrere kurz belichtete Aufnahmen hintereinander angefertigt.
Diese werden anschließend mit einem Programm zusammengefaßt.
Es ensteht eine einzelne Aufnahme, die eine lange Belichtungszeit hat.
- Aufnahme:
Jede Kamera erzeugt bei der Aufnahme Hotpixel, das sind Pixel die bei Belichtung weiß erscheinen.
Dieses Problem kann man nur beseitigen, indem man neben der eigentlichen Aufnahme eines Objektes auch ein Dunkelbild anfertigt.
Dunkelbilder werden nach einer Aufnahme gemacht und zwar mit den selben Einstellungen und Bedingungen wie die Aufnahme.
Auch die Aufnahmezeit sollte die gleiche sein.
Dunkelbilder erstellt man, indem man einfach den Deckel auf das Kameraobjektiv setzt, es werden prakisch nur die Hotpixel aufgenommen.
Mit der Bildbearbeitung kann man anschließend das Dunkelbild vom normalen Bild abziehen, die Hotpixel sind verschwunden.
Filter:
Man kann bei der Astrofotografie auch spezielle Filter verwenden.
Diese sind besonders gut dafür geeignet, um bestimmte Wellenlängenbereiche des Lichtes passieren zu lassen.
Zum Einsatz kommen hier Nebelfilter wie HII-Filter oder OIII-Filter.
Sie heben verschiedene Nebelpartien besser hervor und heben den Kontrast und die Auflösung an.
Hier ist es auch wieder möglich, verschiedene einzelne Aufnahmen mit verschiedenen Filerarten zu machen und diese Bilder später übereinander zu lagern.
Das Ergebnis ist ein kontrastreiches, detailreiches Bild.
Verschiedene Motive und Belichtung:
- Offene Sternhaufen
Offene Sternhaufen bestehen aus leuchtenden, jungen Sternen.
Sie werden durch Gravitation zusammengehalten, wandern aber mit der Zeit auseinander.
Ihre scheinbaren Durchmesser variieren von wenigen Bogenminuten bis hin zu mehreren Vollmonddurchmessern.
Je mehr Öffnung und Belichtungszeit man einem Offenen Sternhaufen widmet, desto besser ist seine Auflösung und auch lichtschwache Sterne werden gut abgebildet.
Mit einer Kamera kann man per Piggyback schon einige Sternhaufen in Einzelsterne auflösen.
- Kugelsternhaufen
Im Gegensatz zum Offenen Haufen besteht ein Kugelhaufen aus alten Sternen, die ein Leben lang beieinander bleiben.
Alle Sterne sind auf das Zentrum des Haufens ausgerichtet.
Das Zentrum von Kugelsternhaufen kann nur von großen Teleskopen aufgelöst werden.
Die Sterne werden zum Zentrum hin heller, man benötigt also für das Zentrum weniger Belichtungszeit, dafür aber nach außen hin mehr.
- Doppelsterne
Um Doppelsterne abzulichten, die weit auseinanderliegen, wird die Kamera direkt am Okularauszug des Teleskopes angebracht, man benutzt das Teleskop praktisch als Kameraobjektiv (fokal).
Ein Teleskop mit langer Brennweite ist hier zu bevorzugen.
Die Brennweite kann mittels Barlowlinse noch verlängert werden.
Bei Doppelsternen, die eng beienander stehen, muß man mittels Okularprojektion aufnehmen, nur so können sie getrennt werden.
Okularprojektion bedeutet, zwischen die Kamera und das Teleskop wird noch ein Okular eingesetzt.
- Planetarische Nebel
Planetarische Nebel sind abgestoßene Materie(Gashülle) eines sterbenden Sternes(roter Riese) und werden von diesem zum Leuchten gebracht.
Zum Ablichten empfehlen sich lange Brennweiten, notfalls kann mittels einer Barlowlinse die Brennweite verlängert werden.
Bei Planetarischen Nebeln benötigt man Belichtungszeiten von ein paar Minuten.
- Reflexionsnebel
Sie reflektieren und streuen das Licht nahegelegener Sterne.
Reflexionsnebel leuchten meist bläulich.
In ihnen enstehen keine Sterne mehr, sie sind deshalb auch lichtschwächer als Emissionsnebel.
Für die Fotografie von Reflexionsnebeln gilt fast das gleiche wie bei Emissionsnebeln.
Es muß lediglich länger belichtet werden, da sie lichtschwächer sind, und der Himmel sollte absolut dunkel sein.
- Emissionsnebel
Emissionsnebel senden Licht aus, indem sie das Licht der im Nebel liegenden Sterne absorbieren und wieder abgeben.
Sie sind Sternentstehungsgebiete und leuchten rötlich, mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar.
Erst duch die Fotografie kann dieses rote Licht eingefangen werden.
Die Nebel haben unterschiedliche Ausdehnungen, kleine kompakte Nebel erscheinen heller als große ausgedehnte, bei gleicher Lichtmenge.
Somit ist also die Belichtungszeit von Nebel zu Nebel unterschiedlich.
Auch bei einem einzigen Objekt kann die Belichtung unterschiedlich ausfallen, je nach dem was man hervorheben möchte.
Das Zentrum ist heller, der Rand lichtschwächer.
Für das Zentrum reichen folglich wenige Sekunden, für den Randbereich braucht man mehrere Minuten.
Bei großen Emissionsnebeln kann man mit einer Kamera mit einem 200mm-Objektiv schon einige Details erkennen.
- Supernova-Überreste
Hier treffen die Überreste eines explodierten Sternes(Gashüllen) auf interstellare Materie und werden so zum Leuchten gebracht.
Supernova-Überreste sind meist sehr weit ausgedehnt und nur mit großem Gesichtsfeld zu erfassen.
Sie leuchten in verschiedenen Farben, sind aber lichtschwach.
Somit braucht man auch hier wieder lange Belichtungszeiten im Minutenbereich.
- Dunkelnebel
Dunkelnebel werden auch als Dunkelwolken bezeichnet.
Sie sind Wolken aus Gas und Staub, die so dicht sind, daß das Licht dahinterliegender Sterne absorbiert wird und sie deshalb nicht leuchten (also dunkel sind).
Für Aufnahmen von Dunkelnebel benötigt man je nach Motiv Belichtungszeiten von einigen Minuten und hohe ISO-Werte.
- Galaxien
Die Galaxien sind meiner Meinung nach die schönsten Motive in der Astrofotografie.
Es gibt so viele verschiedene Formen mit den unterschiedlichsten Details.
Viele sind aufgrund ihrer Helligkeit auch schon mit Amateurteleskopen gut einzufangen.
Auch mit ruhender Kamera sind einige sehr schön abzulichten.
Durch die Fotografie kommen Details zum Vorschein, die man visuell nicht oder nur schwer beobachten kann.
Die Belichtungszeiten sind bei Galaxien auch wieder sehr unterschiedlich.
Das Zentrum ist recht hell, man benötigt weniger Belichtung.
Die Spiralarme werden nach außen hin lichtschwächer, man muß also länger belichten.
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